Streaming-Evangelist: Wie Markus Breitenecker den ORF umbauen will. | turi2
Medienmanager Markus Breitenecker legt im Interview von Harald Fiedler im "Standard" dar, wie er den ORF umbauen will, sollte er am 11. Juni zum neuen Generaldirektor des österreichischen ÖRR-Senders gewählt werden. Er erklärt, dass er auf Kooperationen setzen und die Idee des ProSiebenSat.1-Streamers Joyn auf die ORF-Plattform On übertragen will: "Joyn zeigt, dass man Kooperation tatsächlich umsetzen kann und nicht nur in Sonntagsreden propagiert. Wir hören in diesen Zeiten viele theoretische Worte über Kooperation. Die Umsetzungskompetenz ist ein Asset, auf das ich bescheiden hinweisen darf." Gleichzeitig verstehe er die Kritik an Joyn, weil "man vom Goodwill eines privaten Unternehmens abhängt". In seiner Vorstellung soll der ORF selbst zum Superstreamer werden, der die Plattform "im Sinne des Gemeinwohls" betreibt. Zudem will er alle Sendermarken erhalten und zu Senderwelten auf ORF On weiterentwickeln.
Breitenecker schwebt auch ein europäisches Streaming-Angebot im Rahmen der EBU vor: "Dort kann jeder Sender sein Modell verwirklichen – private etwa werbefinanziert oder mit anderen Geschäftsmodellen, öffentlich-rechtliche ohne Werbung etwa über Beiträge finanziert." Auf lokaler Ebene will der Manager die ORF-Landesstudios für Kooperationen mit "journalistischen Content-Creators", lokalen und regionalen Medienschaffenden öffnen. Davon erhofft er sich, dass der Sender "den Anschluss an die jungen Zielgruppen" wiederfindet.
Auf Fiedlers Frage, ob der frühere "Mister Privatfernsehen" nun auf ÖRR-Kurs schwenke, antwortet der Medienmanager: "Dafür braucht es keinen Schwenk, Fernsehen mit Qualitätsanspruch ist mein berufliches Leben. Und vielleicht weiß ich das Privileg, nicht alleine nach kommerziellen Zielsetzungen, sondern für Qualität im Sinne des Gemeinwohls arbeiten zu dürfen, höher zu schätzen, als jemand, der immer nur im öffentlich-rechtlichen Umfeld gearbeitet hat."
Insgesamt bewerben sich 77 Menschen um den Chefposten beim ORF, darunter APA-Vorstand Clemens Pig, ORF-Magazinchefin Lisa Totzauer und der frühere Edelman-CEO Ernst Primosch.
derstandard.at
(Foto: APA-Images / dpa / Matthias Balk)