Kunstgeschichts-Seminar: Stuttgarter Künstlerpersönlichkeiten - Reinhold Nägele
Am Beginn des 20. Jahrhunderts treten im Stuttgarter Raum mit Schlemmer und Baumeister einige der bedeutendsten Künstler der Avantgarde auf. Doch darüber hinaus prägen auch andere das Kunstschaffen der Landeshauptstadt.
Sein Name verrät es im Grunde schon: Reinhold Nägele war Schwabe. Der aus Murrhardt stammende Künstler schilderte mit liebevoll-ironischem Blick detailliert das Treiben der Menschen, wobei sämtliche Motive inhaltlich über die rein sachliche Wiedergabe hinausgehen. Neben typisch schwäbischen finden sich fantasievolle, ja surreale Bilder, andere Darstellungen zeigen den Maler als aufmerksamen Beobachter des Zeitgeschehens. Schon 1907 wurden seine Arbeiten in Berlin ausgestellt und 1923 war er Mitbegründer der Stuttgarter Secession. Doch ab 1933 geriet Nägele wegen seiner jüdischen Ehefrau Alice ins Visier der Nationalsozialisten und musste über London nach New York emigrieren.
Obwohl Ida Kerkovius in Riga geboren wurde, gilt auch sie heute gemeinhin als Stuttgarter Künstlerin, da sie dort den Großteil ihres Lebens verbrachte. Denn als Kerkovius zum Wintersemester 1920 ans Bauhaus nach Weimar ging, war sie bereits eine erfolgreiche Künstlerin des Hoelzel-Kreises. Stark beeindruckt von der Lehre dieses Malers wurde sie dessen Meisterschülerin und 1911 schließlich seine Assistentin an der Königlichen Württembergischen Akademie in Stuttgart. Bei ihm erlebte sie das Bemühen um das Primäre: Linie, Fläche und vor allem Farbe, und gab dies an Privatschüler weiter. Nach dem 1. Weltkrieg suchte sie neue künstlerische Anregungen und ging nach Weimar ans Bauhaus, wo sich die Malerin erst mit der Rolle der erneuten Schülerin anfreunden musste. Ganz pragmatisch wählte sie bewusst die Weberei als Ausbildungsklasse, „um sich eine neue Erwerbsquelle zu schaffen“. Wichtige Impulse erhielt sie hierbei vom Bauhaus-Meister Paul Klee.