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Humboldt und die Fränkische Schweiz – Wo sich Humboldt im Humboldtschen Sinne fassen lässt | Koschyk unterwegs

„Das ist ja, wie als Humboldt auf die Anden gestiegen ist“, sagte ein Zuhörer, als er im ersten Stock die Mediathek des Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt betrat. Denn hier sollte es auch um Humboldt gehen, allerdings stand nicht seine weltberühmte Amerikareise, sondern ein beinahe vergessenes Kapitel seiner wissenschaftlichen Karriere im Fokus: Die Jahre 1792 bis 1797, in denen er sich als preußischer Bergbeamter nicht nur in den Verwaltungssitzen Bayreuth und Ansbach, sondern auch in der Fränkischen Schweiz aufhielt. Zusammen mit dem Fränkische Schweiz Verein und dem Fränkische Schweiz Museum bot das Alexander von Humboldt-Kulturforum Franken e.V. dem „Ebser“ Publikum einen ganz besonderen Vortrag: Carsten Kissinger, ein Alumnus der Universität Bayreuth, sprach über den großen Universalgelehrten, dessen dienstliche Reisen ihn in jungen Jahren immer wieder durch die Fränkische Schweiz führten. Die wissenschaftlichen Entdeckungen und Erfahrungen, die er in dieser Zeit machte, beeinflussten seine zukünftige Arbeit maßgeblich: Denn auch die Fränkische Schweiz ist Humboldtland, resümierte er ein seinem Vortrag „Humboldt und die Fränkische Schweiz“.Carsten Kissinger bei seinem Vortrag: Humboldt und die Fränkische Schweiz.Carsten Kissinger bei seinem Vortrag: Humboldt und die Fränkische Schweiz. Carsten Kissinger bei seinem Vortrag. Nachdem die ehemaligen Markgraftümer Ansbach und Bayreuth im Jahr 1792 vom kinderlosen Regenten Karl Alexander an die Berliner Verwandtschaft abgetreten worden sind, bemüht sich die preußische Regierung um eine wirtschaftliche Aufwertung der neuen Gebiete. Der damals 22-jährige Alexander von Humboldt wurde nach natur- und montanwissenschaftlichen Studien, unter anderem an der Freiberger Bergakademie mit besten Empfehlungen in das heutige Franken gesandt, um bei der Restauration des dort in Verfall geratenen Bergbaus zu helfen. Schon bald überzeugte er seine Vorgesetzten von seinem naturkundlichen Wissen und seinen Fähigkeiten und übernahm offiziell die Leitung dieser Aufgabe. Bei der Reise vom Bergamt Bayreuths zum Amtssitz in Ansbach durchquerte er immer wieder die Fränkische Schweiz, die damals ein territorial stark fragmentiertes Gebiet war. Als ehemaliger Mitarbeiter des Instituts für Fränkische Landesgeschichte gelang es Carsten Kissinger, hier einen Überblick zu schaffen: Während Streitberg 1792 beispielsweiße eine preußische Exklave war, gehörte Ebermannstadt zum Hochstift Bamberg. Aufmerksames Publikum beim Vortrag von Carsten Kissinger. Wie es für Humboldt auch später noch typisch sein sollte, beging er diese dienstlichen Reisen nicht nur um der Reise Willen. Stetig hatte er ein Augenmerk auf die Landschaft, die Geologie und die Pflanzenwelt um ihn herum. Er erkundete die Höhlen bei Muggendorf und untersuchte das Gestein. Humboldt hatte keinen „Tunnelblick“. Die Natureindrücke der Fränkischen Schweiz verglich er mit denen, die er bei vorherigen Reisen gemacht hatte. Auch in den sogenannten „midlands“ von England hatte er Höhlen erkundet und in der Schweiz hatte er Kalkstein untersucht, dass dem Gestein der Fränkischen zum Verwechseln ähnlich ist. Die Fotografien, die Carsten Kissinger in seinem Vortrag präsentierte, täuschten selbst das ansässige Publikum. Dass die Landschaft der Fränkischen Schweiz, oder des „Muggendorfer Gebirgs“, wie sie damals genannt wurde, einen enormen Eindruck bei Humboldt hinterließ, lässt sich aus seinen späteren großen Reisewerken ableiten. In seinen Originalpublikationen verglich er die gewaltigen Höhlen der Regenwälder Südamerikas mit denen in der Gegend von Muggendorf und Streitberg. Die Erfahrungen in Franken wurden für ihn zu einem Referenzrahmen, an dem er sich in seinem weiteren Lebenswerk immer wieder bediente. Auch wenn diese Tatsache heute weitgehend unbekannt ist, schuf Humboldt weltweit den Eingang der Fränkischen Schweiz in die wissenschaftliche Literatur. Während Humboldt zu seinen Lebzeiten als einer der bekanntesten Forscher überhaupt gefeiert wurde, steht sein Wirken heute deutlich weniger im öffentlichen Bewusstsein. Dabei sind es Orte wie die Fränkische Schweiz, die das Potenzial haben, als „Humboldtland“ wiederentdeckt zu werden. Denn anders als in seiner Geburtsstadt Berlin lässt sich Humboldt in der Fränkischen auch im „Humboldtschen Sinne“ erleben. (v. l. Dr. Jens Kraus, Heike Beckenbach, Carsten Kissinger, v. r. Hartmut Koschyk, Michael Schneier, Jule Galster) Vereinsvorsitzender Hartmut Koschyk bedankte sich bei Dr. Jens Kraus, der Leitung des Fränkische Schweiz Museums, und bei Heike Beckenbach vom Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt für die Unterstützung bei der Organisation der Vortragsveranstaltung. Für die Schulbibliothek überreichte er im Namen des Alexander von Humboldt-Kulturforums Franken e. V. Michael Schneier, der das Direktorat vertrat, ein Buchgeschenk. Aufgrund dieser erfolgreichen Veranstaltung plant das Kulturforum in Kooperation mit dem Gymnasium Fränkische Schweiz Ebermannstadt, dem Fränkische Schweiz Museum in Tüchersfeld und dem Fränkische Schweiz Verein weitere Veranstaltungen zu Alexander von Humboldt. Gesteinsprobe vom Jurakalk, das seinen Namen durch Alexander von Humboldt erhielt.