„Verborgen unter Dächern. Genisa-Funde in Rheinland-Pfalz“, Vortrag und Buchvorstellung
Seit der Antike ist im Judentum der Brauch üblich, abgenutzte religiöse Schriften und Gegenstände in einen abgesonderten Raum, in eine „Genisa“, meist in oder bei einer Synagoge, abzulegen. In Rheinland-Pfalz wurden solche Räume und Ablagen von heiligen Schriften in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach unter den Dächern ehemaliger Synagogen entdeckt.Andreas Lehnardt, Professor für Judaistik an der Johannes Gutenberg Universität, stellt in seinem Vortrag die wichtigsten Ergebnisse der Erschließung dieser einzigartigen jüdischen Fundräume vor. Erhalten haben sich oft stark beschädigte sowie verschmutzte hebräische und jiddische Bücher, alte Manuskripte in verschiedenen Sprachen, Synagogentextilien wie Tora-Wimpel und -Mäntel sowie Kopfbedeckungen. Doch was kann man aus diesen auf den ersten Blick unscheinbaren Funden im Hinblick auf die Geschichte und Religion des Judentums lernen? Wie alt sind die ältesten Schriften, und wie kann man sie für kommende Generationen erhalten? Diese und weitere Fragen versucht der reich bebilderte Vortrag zu beantworten. Er will dabei neugierig machen auf eine jahrelang vernachlässigte Schatzkammer jüdischen Wissens und Lebens in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus.